Carsharing könnte Taxi-Botenfahrten tangieren

Bei einem Sharing-Projekt im Landkreis Mühldorf fungieren erste Firmen als Ankermieter für Carsharing-Fahrzeuge und wickeln mit ihnen auch Botenfahrten ab.

Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (ganz links) und Projektleiterin Melanie Buchner (4.v.l.) hatten zum einjährigen Geburtstag des mümo-Projekts die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden ins Landratsamt gebeten. (Foto: Dietmar Fund)
Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (ganz links) und Projektleiterin Melanie Buchner (4.v.l.) hatten zum einjährigen Geburtstag des mümo-Projekts die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden ins Landratsamt gebeten. (Foto: Dietmar Fund)
Dietmar Fund

Im Rahmen des Sharing-Projektes mümo in Mühldorf am Inn sind die Bürgermeister von sieben Gemeinden angetreten, um mit elektrisch angetriebenen Pkw und Siebensitzern, E-Bikes, E-Rollern und E-Lastenrädern Zweit- oder Drittfahrzeuge abzulösen. Das könnte zunächst einmal auch die Nutzung von Taxis und Mietwagen fördern. Wie die Zwischenbilanz des seit einem Jahr laufenden Projektes am 29. September 2021 zeigte, könnten die E-Fahrzeuge aber auch Botenfahrten ersetzen, die Taxi- und Mietwagenbetriebe im Auftrag von Firmen unternehmen.

Projektleiterin Melanie Buchner berichtet dort, dass es gelungen sei, in der nahen Kleinstadt Neumarkt St. Veit eine Arztpraxis als „Ankermieter“ zu gewinnen. Als solche gelten Betriebe, die entweder einen Teil ihres eigenen Fuhrparks zu Zeiten, in denen er nicht genutzt wird, in die Vermietung mit einbringen oder andererseits auf einen Teil ihrer Fahrzeuge verzichten, um dafür Sharing-Fahrzeuge anzumieten. Die Arztpraxis nutze nun elektrisch angetriebene Pkw von mümo für Patientenfahrten und für dienstliche Fahrten.

Das Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist, soll auch weiteren Gemeinden in Nachbar-Landkreisen wie Altötting und weiteren Ankermietern angeboten werden. Wie bei der Pressekonferenz zum einjährigen „Geburtstag“ auch bekannt wurde, haben schon erste Bauträger Interesse daran, sich mit Sharing-Stationen zu beteiligen. Ihr Hintergedanke ist sicher, bei größeren Projekten mit weniger Stellplätzen auszukommen, die man sonst je nach den Vorgaben der Gemeinde oder Stadt pro Wohneinheit nachweisen muss.

Derzeit sind bei sieben Gemeinden im Landkreis Mühldorf am Inn insgesamt fünf Elektro-Pkw vom Typ Renault Zoe und zwei elektrisch angetriebene Siebensitzer vom Typ Nissan e-NV200 Evalia sowie E-Bikes, E-Roller und E-Lastenräder stationiert. Sie sind seit dem Start im September 2020 insgesamt 70.000 Kilometer gelaufen. Das Projekt registrierte bisher 618 Nutzer, die mehr als 2.000 Buchungen über die mümo-App getätigt haben. Ungefähr die Hälfte der Buchungen entfiel auf dienstliche Fahrten der Gemeinden, deren Mitarbeiter die Fahrzeuge auch nutzen können.

Mehrere Bürgermeister berichteten, dass bei ihnen erste Bürgerinnen und Bürger auf einen Zweitwagen und sogar auf einen eigenen Pkw verzichteten und dafür ein mümo-Fahrzeug mieten würden. Gesprochen wurde unter anderem über einen Rentner, der kein neues Auto mehr gekauft hat, und über einen Motorradfahrer, der sogar ein Erklär-Video über die Nutzung des App-basierten Sharing-Angebotes gedreht hat und keinen eigenen Pkw mehr hat. Ein Bürgermeister sagte allerdings auch, die Autos kämen nicht immer so zurück, wie man sich das wünsche. Daher kümmere sich sein Bauhof um die Reinigung.

Taxi- und Mietwagenbetrieben auch auf dem Lande kann man angesichts solcher Projekte nur dringend raten, sie zu beobachten und zu überlegen, wie sie sich mit ihren Dienstleistungen bei den Nutzerinnen und Nutzern des Carsharing ins Gespräch bringen können. Beim Mühldorfer Projekt soll es dazu Anfang 2022 wieder verstärkt Gelegenheit geben, nachdem wegen der Corona-Pandemie viele Veranstaltungen zur Öffentlichkeitsarbeit zurückgestellt werden mussten.

Das Projekt mümo wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung über das „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung“ (BULE) gefördert.

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