Taxi-Verkäufer sollen Taxi-Käufer besser informieren

Die Bundesregierung will allen Autokäufern und damit auch Taxi-Käufern mehr Klarheit über den Strom- und Spritverbrauch von Neuwagen sowie die Folgekosten verschaffen. Dazu sollen die Informationsblätter, die Hersteller und Händler ihren Kunden zur Verfügung stellen müssen, in wesentlichen Teilen eindeutiger gefasst werden.

Mit Grün für „null Emissionen“ gekennzeichnet werden auf den Infotafeln in den Verkaufsräumen künftig nur noch batterieelektrische Fahrzeuge wie der Kia Niro EV (Foto) oder solche mit Brennstoffzellenantrieb. (Foto: Dietmar Fund)
Mit Grün für „null Emissionen“ gekennzeichnet werden auf den Infotafeln in den Verkaufsräumen künftig nur noch batterieelektrische Fahrzeuge wie der Kia Niro EV (Foto) oder solche mit Brennstoffzellenantrieb. (Foto: Dietmar Fund)
Matthias Roeser

Der im Juli 2023 vorgelegte Referentenentwurf für eine Novelle der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungs-Verordnung (Pkw-EnVKV) sieht zwar wie bisher eine farbliche Kennzeichnung mit einer Ampel-Skala von Grün über Gelb bis Rot vor. Grundlage ist aber nicht mehr der CO2-Ausstoß bezogen auf die Fahrzeugmasse, sondern der absolute CO2-Ausstoß „am Auspuff“. Volles „Grün“ (CO2-Emissionsklasse A) soll nur Nullemissions-Fahrzeugen vorbehalten sein, also reinen Elektro- oder Brennstoffzellenautos. Für Verbrenner (inklusive Hybriden ohne Stecker) und Plug-In-Hybride kommen die Immissionsklassen B (Gelbgrün, maximal 95 g CO2/km) bis G (Rot, über 176 g CO2/km) in Frage.

Der ADAC hält die geplante Spreizung für akzeptabel. Immerhin knapp 11 Prozent der reinen Verbrenner-Modelle würden nach seinen Angaben in die Emissionsklasse B fallen. 22 Prozent – vor allem SUV, schwere Limousinen und Sportwagen – fielen in die Emissionsklasse G.

Die bisherige Einteilung in sogenannte „Effizienzklassen“ nach CO2-Ausstoß bezogen auf die Fahrzeugmasse hatte bisweilen dazu geführt, dass Kleinwagen „Rot“ erhielten und schwere SUV „Grün“. Die Angaben zum CO2-Ausstoß sollen jetzt endlich auch auf dem WLTP-Messverfahren beruhen, das auch schon bei Neuzulassungen ab 1. September 2018 für die Berechnung der Kfz-Steuer maßgeblich ist.

Mehr Transparenz soll es auch bei den Energieverbrauchsangaben von Plug-In-Hybriden (PHEV) geben: Genügte es bisher, den vielfach in der Praxis unerreichbaren Labor-Verbrauchswert im Mischbetrieb anzugeben, so müssen künftig zusätzlich auch der Stromverbrauch im reinen Elektrobetrieb sowie der Spritverbrauch bei entladener Batterie angegeben werden. Damit können potenzielle Käufer anhand ihres voraussichtlichen Fahrprofils realistischere Verbrauchsdaten errechnen.

Klargestellt wird außerdem, dass bei PHEV die rein elektrische Reichweite gemäß „Equivalent All Electric Range“ (EAER/gleichwertige vollelektrische Reichweite) angegeben werden muss, nicht im City-Modus, wo aufgrund elektrischer Strom-Rückgewinnung beim Bremsen wesentlich längere Reichweiten erzielt werden können. Die EAER ist maßgeblich dafür, ob ein E-Kennzeichen erteilt werden darf.

Zusätzlich sollen die Käufer von Verbrennerautos über die Folgekosten durch den steigenden CO2-Aufschlag auf fossile Kraftstoffe gemäß Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) beziehungsweise den geplanten europäischen Emissionshandel informiert werden. Dafür stellt die bundeseigene Deutsche Energie-Agentur (Dena) eine alljährlich aktualisierte Liste mit dem prognostizierten CO2-Preis in den jeweils kommenden zehn Jahren bereit. Für die Kostenberechnung werden 15.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr zugrunde gelegt. Die Erfahrung lehrt aber, dass binnen kurzer Zeit im Internet auch Online-Rechner verfügbar sein werden, mit den die Kostenbelastung für abweichende Jahreskilometer ausgerechnet werden kann. Ob davon auch die hohen Laufleistungen von Taxis und Mietwagen erfasst werden, bleibt abzuwarten.

Das Problem unrealistisch niedriger Spritverbrauchswerte aus den WLTP-Labormessungen wird mit der neuen Verordnung noch nicht angepackt. Dafür ist ein weiteres Rechtssetzungsverfahren unterwegs: Es sieht vor, dass bei allen seit 2021 erstmals zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (auch Vans) bei der Hauptuntersuchung der tatsächliche Kraftstoffverbrauch aus dem „On Board Fuel Consumption Monitoring“-Speicher ausgelesen wird. Diese Daten sollen auf EU-Ebene zusammengeführt und veröffentlicht werden. Die Kfz-Energieverbrauchsdatenerfassungs-Verordnung (Kfz-EEV), mit der die Datenerhebung national im Detail geregelt wird, befindet sich derzeit in der finalen Abstimmung.

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