
20 Grad in Madrid und viel Sonnenschein. Eigentlich war das Wetter nach monatelangem Schnee und Regen viel zu schön, um den Tag in einer E-Klasse zu verbringen. Andererseits war die Neugier viel zu groß, ein Fahrzeug zu testen, über dessen Sicherheitssysteme wir bereits berichteten (taxi heute, Ausgabe Dezember 08) und über dessen Motoren und äußere Form wir im Februar-Heft ebenfalls schon beleuchtet haben. Jetzt also endlich der erste Fahreindruck. Natürlich in einer E-Klasse E 220 CDI mit Automatik, wie sie demnächst als Sondermodell „Das Taxi“ für 29.000 Euro erhältlich sein wird.
Die Teststrecke bot dabei den gesamten Mix aus den Anforderungen, die auch an den Einsatz als Taxi gestellt werden: Zum einen die Autobahnfahrt, bei der die 170 PS auf dem Beschleunigungsstreifen sofort zupacken, ohne dabei laut oder gar nagelnd zu werden. Die Geräuschdämmung ist also erste Sahne, bis auf das Abrollgeräusch des Vorderreifens, das sowohl Fahrer als auch Fahrgast deutlich vernehmen können. Sollte eigentlich nicht sein. Toll dagegen der Tote-Winkel-Assistent, der uns beim Spurwechsel akustisch und mit aufleuchtendem roten Dreieck im Außenspiegel zu erkennen gibt, dass da unbemerkt ein weiteres Fahrzeug neben unserer Spur fährt.
Auf der Landstraße meldet sich wenig später der Spurhalteassistent, als der Kollege auf den Mittelstreifen kommt. Das Lenkrad vibriert leicht. Übersehen hätten wir beide beinahe auch die Geschwindigkeitsbegrenzung kurz vor der Ortseinfahrt, doch die Anzeige auf dem Display ließ uns noch rechtzeitig vor dem Starenkasten abbremsen. Der Geschwindigkeits-Assistent wird wohl so manchen Punkt in Flensburg verhindern.
Endgültig vorbei sind in der neuen E-Klasse auch die Zeiten, in denen man im Dunkeln den entgegenkommenden Fahrer blendet, weil man nach acht Stunden Schicht vergessen hatte, das Fernlicht rechtzeitig auszuschalten. Einmal aktiviert, blendet es im W 212 dank Adaptiv-Assistent selbstständig auf und ab.
Am Ende der Testfahrt steigt man daher mit einem guten Gefühl aus der neuen E-Klasse aus. In dieser Form muss Mercedes keine Angst haben, die Vormachtstellung im deutschen Taxigewerbe zu verlieren. Erst recht, da man aus dem großen Manko des Vorgängers gelernt hat: Im Fond ist jetzt wieder deutlich mehr Platz, so dass auch drei Erwachsene wieder hinten sitzend ohne allzu große Quetschungen befördert werden können.
Nur beim Verbrauch kommt der Hersteller leider auf günstigere Werte als wir. Für die rund 150 Kilometer lange Strecke meldete der Bordcomputer runde acht Liter. Von den von Mercedes angegeben 5,3 Litern sind wir da noch ein Stück entfernt, erst recht mit Automatik.
Fehlt noch die angekündigte gute Nachricht: Mercedes plant, das Taximodell nun doch schon drei Wochen nach Markteinführung (Ende März) ausliefern zu können. Das wäre dann rund sechs Wochen früher als ursprünglich angekündigt, was vor allen Dingen die rund einhundert Kolleginnen und Kollegen freuen dürfte, die laut Mercedes den neuen W 212-er bereits bestellt haben.
Bildergalerie: Mercedes E-Klasse W 212 Limousine »
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