Diskussionen um Videoüberwachung
Ein Blick auf die aktuellen Polizeimeldungen hinterlässt den Eindruck, dass die Anzahl der Überfälle auf Taxifahrer in den vergangenen Wochen gestiegen ist. Unterdessen diskutieren die Kollegen vielerorts, wie sie sich besser dagegen schützen können.
Die brutale Attacke vor knapp zwei Wochen in Göppingen, bei dem eine 62-jährige Kollegin von zwei jugendlichen Tätern mit Messerstichen in den Hals lebensgefährlich verletzt wurde (wir berichteten), ist mit Sicherheit der schockierendste Überfall der letzten Wochen. Viele andere Fälle, die sich tagtäglich in Deutschland ereignen, enden zum Glück für die Taxifahrerinnen und Taxifahrer relativ glimpflich, doch sie häufen sich nach unserem Eindruck wie in den vergangenen Jahren zum Start des Winters wieder enorm, was auch mit der früher eintretenden Dunkelheit zu tun haben dürfte.
Dabei scheint die Hemmschwelle für Überfälle extrem niedrig zu sein: Taxifahrer werden von den meist jugendlichen Tätern immer wieder als leichtes Opfer wahrgenommen, bei dem man schnell ein paar Euro „abgreifen“ kann. Was können Taxifahrer also tun, um sich dieser alltäglichen Gefahr nicht schutzlos auszuliefern?
Die Polizei in Göppingen hat nach der brutalen Tat Sicherheitstipps für Taxifahrer veröffentlicht, die manchen Kollegen aber nicht weit genug gehen. In Magdeburg überlegt die Taxigenossenschaft unter dem Eindruck einer Serie von Raubüberfällen in der jüngsten Zeit, dem Vorbild aus Bremen zu folgen und die Taxis der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts mit Videokameras auszurüsten. Sie sollen im 15-Sekunden-Takt Bilder vom Innenraum aufzeichnen, die im Falle eines Notrufes automatisch an einen externen Server geschickt werden und andernfalls automatisch mit neueren Aufnahmen überschrieben werden.
In Hannover fordert der Verein der Taxifahrer laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung bereits seit längerem eine ähnliche Überwachungstechnik. Im gleichen Artikel wird aber auch deutlich, wie wenig ernst das Gefährdungspotenzial für Taxifahrer in manchen Städten derzeit eingeschätzt wird. In Leipzig beispielsweise schwört man weiter auf den Stillen Alarm und befürchtet, durch Videokameras Fahrgäste abzuschrecken.. „Technisch ist vieles möglich, nicht alles ist aber auch angemessen.", äußerte Löwen-Taxi-Vorstand Rolf Kaaden gegenüber der Zeitung. Ähnlich arglos gab sich Winfried Bahr, Vorsitzender der Taxi-Genossenschaft in Halle, der dort die Notwendigkeit einer Videoüberwachung nicht für gegeben hält. Begründung: Schwere Raubüberfälle seien nicht an der Tagesordnung. Bleibt zu hoffen, dass er Recht behält.
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